Angedacht

Liebe ist ein schönes Wort. Es hört sich gut an, fühlt sich warm an und hinterlässt ein angenehmes Gefühl. Zugleich ist Liebe aber auch ein vieldeutiges Wort…

Gedanken zum Monatsspruch August 2018:

„Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt,  bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm.“     1.  Johannes 4, 16

Die Liebe, das ist nichts, was man nur sagt: Liebe tut man. Liebe will gelebt sein, und so zählt der Apostel Paulus in seinem ersten Brief an die Gemeinde in Korinth auch einmal auf, was die Liebe ausmacht. „Die Liebe prahlt nicht und gibt nicht an, sie verzeiht und trägt nicht nach, jedenfalls nicht lange. Sie sieht immer noch einen Weg.“

Im Zusammenhang des Monatsspruchs geht es um die Grundlage für ein gutes Mit-einander in der Gemeinde. Das war damals eine überschaubare Zahl an Christen. Man konnte sich bequem in den Häusern treffen und jeder kannte jeden. Da gab es untereinander sowohl Liebe als auch mal Streit. Um gut miteinander klar zu kommen in der Gemeinde, in den Familien, im Freundeskreis, im Beruf ist es entscheidend, dass über die Liebe Gottes nicht nur geredet sondern dass sie gelebt wird. All unsere mensch-liche Liebe, und sei sie noch so tief und so echt und so wahr, ist eben menschlich und somit immer auch unvollkommen. Wir prahlen manchmal und wir verletzen den an-deren unabsichtlich und manchmal wissen wir ganz genau, was wir tun und schießen den Pfeil trotzdem ab. Weil wir eben Menschen sind.

Die Bibel sagt: Gott ist Liebe. In Vollkommenheit. Damit möchte er den Menschen beschenken. Weil diese Liebe von Gott kommt, ist sie ansteckend und will das menschliche Herz füllen. So blüht in all unserer Begrenztheit, in unseren hellen und weniger hellen Momenten etwas von dieser Liebe Gottes auf. Wenn Gottes Liebe so den Raum des Lebens füllt, ist das schön und wunderbar. Aber Bleiben in der Liebe – das ist ganz schön schwer.

Am Anfang ist Liebe leicht, aber mit der Zeit bekommt sie Abreibespuren und manchmal geht sie einfach wie ein Taschentuch verloren. Gescheiterte Liebe hat ja immer etwas mit Enttäuschung zu tun und mit dem Gefühl nicht genug bekommen zu haben. Nicht genug Anerkennung und Wertschätzung. Nicht genug Freundlichkeit und Zärtlichkeit. Darüber ehrlich und offen zu reden, fällt vielen schwer. Lieber redet man über die schönen Seiten der Liebe. Aber es gibt wohl keinen anderen Weg, um in der Liebe zu bleiben. Liebe und Wahrhaftigkeit gehören zusammen.

Sicher hilft es uns dann, uns an Gott, an seine bedingungslose Liebe zu erinnern. Uns daran zu erinnern, dass wir alle bei Gott geliebt sind und deswegen alle gleich wertvoll und liebenswert sind. Gott liebt uns ohne Wenn und Aber. Ich bin für Gott unendlich wichtig. Gott ist die Liebe, und das heißt, er sieht mich und mein kleines Leben, immer und überall mit seinen Augen der Liebe, der Gnade und Barmherzigkeit.

Auch dann, wenn ich meine, allein im Schatten des Todes zu sitzen und mich so fühle, als wäre ich zerschlagen. Auch dann, wenn ich enttäuscht bin und leer und verlassen. Gott sieht mich mit den Augen der Liebe an. Er meint und macht es gut mit mir. Auch mit denen, die ich liebe, aber auch mit denen, die ich nicht (mehr) liebe. Wenn Menschen so aus dieser Liebe Gottes heraus leben und voneinander denken, dann können wir leichter in der Liebe bleiben und damit dann auch in Gott.

Pastor Wilfried Weniger